Es war einmal in einem Königreich ohne König…
Eine Woche mehr war ins Land gegangen. Die Luft draußen klirrte noch kälter; die Laubbäume hatten nun auch die allerletzten Blätter verloren. Die Tage wurden noch kürzer und die Stimmung noch düsterer. Denn das Monster, das die Menschen schon zuvor so geplagt hatte, war mutiert. Und nun wusste niemand mehr, ob die Schutzwälle, die man errichtet hatte, die Waffendepots und Kampfstrategien überhaupt noch nützen würden, wenn der Hunger des Monsters wieder einmal unbändig wurde.

Der Herrschaftswechsel im Königreich trug sein Übriges zur Verwirrung bei.
Die Bewohner des Königreichs kamen den neuen Regeln nicht mehr hinterher: Kaum hatten sie sich an eine Maßnahme gewöhnt, ereilte sie die nächste und sie waren mürbe wie noch nie und konnten oft nicht nachvollziehen, was die einzelnen Maßnahmen bewirken sollten und was sie tatsächlich bei den Menschen bewirkten.

Da kam den Menschen das zweite Helferlein des Königreichs zu Hilfe.

Maria Mysachenko lädt zur besonderen Adventsgeschichte in 4 Teilen ein.

Optimius war – mit Verlaub – ein ganz schön dicker Zeitgenosse. Am liebsten aß er den ganzen Tag. Und ausschließlich Leckeres. Nicht selten ging das Dessert eines Mahls in die Vorspeise des nächsten über und er bewegte sich sehr behäbig, meist rollend, vorwärts. Dabei hatte er stets ein großes Lächeln auf den Lippen und teilte sein Essen mit allen, die es wünschten – vor allem den Traurigen wurde schon nach einem Bissen leichter ums Herz.
Optimius besaß keine Lampen in seinem Haus. Doch die brauchte er auch nicht, weil er selbst – Leuchtkugel, die er war – seine Umgebung erleuchtete. Wo Optimius war, da war es stets hell.
Mit Vorliebe rollte er an die dunkelsten Ecken des Landes, um dort hineinzuleuchten. Nicht selten waren die Menschen erst abgeschreckt von ihm. Im Lichte sahen sie nämlich zunächst alles in ihrer Umgebung klarer und konnten sich vor Missständen nicht mehr verstecken.

Doch wo Optimius hinkam, dort fand er auch Ansätze, zu helfen, gab sein Licht weiter und mit ihm Wärme und Wohlbehagen.

Und in dieser schrecklichen Zeit brauchten die Bewohner des Königreichs seine Dienste dringender denn je. Denn ihre Angst fraß ihre Kräfte wie kostbares Lampenöl, sodass es um sie schnell ganz schön dunkel wurde.

„Was wenn die Schutzwälle zusammenbrechen?“, „Was wenn das Monster über unsere Schutzschilder lacht?“, „Wie lange geht das noch so weiter?“, „Wäre es nicht besser, einfach alles aufzugeben?“

Solche und noch viele andere Fragen begegneten Optimius überall, wo er hinrollte. Doch sobald die Menschen ihn fragten, schenkte er ihnen noch ehe er ein Wort gesprochen hatte, ein Festmahl, dass ihre Nerven beruhigte und ihre Kräfte stärkte. Dann sagte er: „Wir werden uns schützen, womit wir können, solange es wirkt. Und wenn es einmal nicht mehr wirken sollte, werden wir uns gute Gedanken dazu machen. Doch vorher brauchen wir uns darüber keine Sorgen zu machen. Das Monster mag stark sein, doch es ist nicht fähig zu lachen. Es ist nämlich ein Monster ohne Plan und ohne Humor. Solange wir nicht wissen, wie lange es noch weitergeht, denken wir nicht über alle Tage nach, sondern nur über den heutigen. Und wäre es jetzt nicht an der Zeit, Plätzchen zu backen? Aufgeben ist doch keine Option. Das Leben ist doch zu schön.“
Optimius’ Assistent Dorminius mischte dem Plätzchenteig schnell ein leichtes Schlafmittel bei und am nächsten Morgen erwachten die Menschen erholt und erhellt.

Einen schönen 2. Advent wünschen Ihre StrategyPirates®

Maria Mysachenko

STRATEGY PIRATES®-Social-Media, Historikerin, Sopranistin

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