…licht und ergreifend ungeeignet für seine Chefrolle.
Woran mache ich das fest?

 

Die Kommunikation.

Gut, nach Paul Watzlawick gilt zwar „man kann nicht nicht kommunizieren“, doch im Falle meines Chefs wird dies stark überstrapaziert. Fragen von Mitarbeitern werden, je nach Tageslaune, mit einem müden Lächeln, einem griesgrämigen Murmeln in den eigenen Bart oder – wenn er so richtig geschwätzig ist – mit möchtegern-neunmalklugen Gegenfragen beantwortet.

Dies bringt niemanden weiter. Außer: Einen.

In solchen Situationen hat mein Chef das Gefühl, der tolle Hecht zu sein, der Sieger im Ring. Seine Körpersprache lässt ihn für einen Moment aus sich herauswachsen und wenn man einen Lautstärkeregler für seine Gedanken hätte, könnte man seine Lobeshymnen über sich selbst hören, frei nach dem Motto „was bin ich für ein Held, ich bin so wichtig und mächtig, denn ich habe Information und bestimme, wann ich diese weitergebe, soll er doch selber schauen, dieser lästige Mitarbeiter.“
So in etwa fühlt sich der fade Nachgeschmack an, der heruntergewürgt wird, bevor es wieder an die Arbeit geht, um die fehlende Information dann über Detektivarbeit zu ermitteln: Wer könnte hier sonst noch die passende Info liefern? Wer hat Erfahrungswerte und wer kann so erklären, dass es verstanden wird und beim nächsten Mal sitzt?

Die Fehlerkultur.

Hier von einer Kultur zu sprechen, klingt nach Etikettenschwindel. Es ist eher die Unart, dass Mitarbeiter, denen Fehler passieren, vor den anderen Kollegen laut und deutlich hörbar gemaßregelt werden. Danach folgt mit erhobenem Zeigefinger, betont böse und ganz in Oberlehrermanier artikuliert: „Also, ich erkläre Dir das jetzt zum allerletzten Mal…“
Mal kurz überlegt: Wurde dies überhaupt jemals besprochen? Und wenn ja, wie verständlich oder nachvollziehbar?
Meist sind es Lappalien, die in ermüdender Ausführlichkeit auseinander genommen und zu etwas Großem, Schwerwiegenden aufgeblasen werden, so dass sich der betreffende Mitarbeiter schließlich kleinlaut und wortkarg zurück zieht.
Begeht mein Chef selbst einen Fehler, wird dies selbstredend unter den Teppich gekehrt, denn merke eins: Mein Chef macht keine Fehler!

 

Das Visionäre.

Wie bitte, was?! Gibt`s hier nicht!
Hier wird funktioniert, sonst gar nichts. Es findet kein nennenswerter Austausch statt, es gibt wenig bis gar keine Meetings oder gemeinsames Brainstorming.
Ziele oder gar Visionen werden nicht geteilt.

Die mittel- bis langfristige Entwicklung des Unternehmens diskutieren? Wer weiß schon, was morgen ist.

Ideen oder Verbesserungsvorschläge einbringen, wo man als Mitarbeiter doch mitten im Geschehen ist und weiß, was der Kunde will?

Eine neue Software einführen oder für größere Einsparungen oder Optimierung des Work-Flow sorgen?

Alles, was nicht selbst vom Chef kommt, taugt nichts.

Wir erinnern uns: Er ist der König, er duldet keine anderen Könige neben sich.

 

Fazit:

Wer nicht Kommuniziert, kann auch keine Vision teilen oder gar vorleben.

Wer seinen Mitarbeitern nicht auf Augenhöhe begegnet und diese nicht ernst nimmt, wird niemals ‚Follower‘ aus ihnen machen, denn mal ehrlich: Wie fühlt sich das an, nicht wertgeschätzt oder ernst genommen zu werden? Wie soll ein gemeinsames Verständnis reifen, wie an einer gemeinsamen Story gearbeitet werden, wenn noch nicht mal die einfachsten Spielregeln für ein respektvolles Miteinander verstanden worden sind?

 

 

Ein düsteres Bild von meinem Chef?

Sicher habe ich etwas überspitzt dargestellt, was in vielen Unternehmen gelebter und erlittener Alltag ist. Laut einer Analyse der Bewertungsplattform kununu (307.801 Bewertungen deutscher Arbeitnehmer von Dezember 2016 bis November 2017) ist jeder dritte Arbeitnehmer unzufrieden mit seinem Chef. Dies wirkt sich auf die Motivation und Leistung aus.
Die Folge: Fluktuation und dadurch erhebliche Mehrkosten für das Unternehmen.

 

 

Besser machen, aber wie?

Es gibt ein paar einfache Regeln und einige grundlegende Dinge, die eine gute Führungskraft ausmachen. Mehr dazu im nächsten Teil. Ihr dürft gespannt sein. Bis dahin frohes Schaffen und übrigens: Wenn dir etwas im Leben nicht gefällt, dann verlasse die Situation (leave it); lerne, die Sache zu lieben (love it) oder ändere etwas (change it).

 

Eure Susan