Ladies!
Nun ist der Weltfrauentag rum… Die Eine oder Andere hat von ihrem Chef Blumen bekommen. Und fast überall auf der Welt ist der 8. März ein besonderer Tag:

Der Internationaler Frauentag wird seit 1921 jedes Jahr am 8. März begangen und
geht auf die Initiative von Clara Zetkin zurück, einer Frauenrechtlerin.

Damals kämpften die Frauen um Wahlrecht und politische Gleichberechtigung, um bessere Arbeitsbedingungen, aber auch um ein besseres soziales Verständnis für Ihre Rolle als Hausfrau und Mutter.

Und wie sieht es heute aus?

Wenn uns an diesem, einen Tag symbolisch mit der roten Nelke Anerkennung und Dank entgegengebracht wird, so sehen wir uns auf der anderen Seite immer noch mit dem „Gender Pay Gap“ konfrontiert, mit Unterdrückung und Gewalt, mit Macht-
missbrauch am Arbeitsplatz (vgl. u.a. die #MeToo – Bewegung).

Zahlreiche Verbände und Initiativen werben für „Chancengleichheit am Arbeitsmarkt“, „Stärkung
der Frau in Wirtschaft und Beruf“, „Lohngleichheit“.

Der Gesetzgeber schreibt eine „Frauenquote“ im Aufsichtsrat vor und sorgt mit dem „Lohntransparenzgesetz“ dafür, dass wir endlich erfahren dürfen,wie unser Verdienst im Vergleich zu den Kollegen ausfällt.

Unter die Lupe genommen, entpuppt sich das „Lohntransparenzgesetz“ jedoch als undurchsichtiges Milchglas: Viele Hürden
machen den Weg zu konsequenter Klarheit schwer. (mehr Info: https://www.bundestag.de/presse/hib/2017_03/-/496280 )

Was tun?

Sich in die ewig währende Diskussion um den „Gender Pay Gap“ stürzen? Er sei eine Frage der Präferenz, können wir hier und da lesen, die Frauen seien selber schuld mit ihren „Frauenberufen“ und den familienbedingten Berufspausen.

Natürlich.

Doch wir wissen, dass es den „bereinigten Gender Pay Gap“ gibt, dass Frauen (bei
gleicher Position und gleicher Tätigkeit) aufgrund ihres Geschlechts ein paar
Tausend Euro weniger aufs Jahr erhalten. Und das zieht sich durch sämtliche
Bildungsabschlüsse, Branchen und Berufe.
Hierzu gibt es Zahlen und hierzu sind mir nicht wenige, echte Fälle aus meiner Coachingpraxis bekannt.

Nein.
Kommen wir endlich aus dieser immerwährenden „das-ist-aber-wirklich-Diskriminierung“-Haltung heraus! Lasst uns nicht länger auf Gesetze oder Frauen-Verbände warten. Wie viele Jahrzehnte
müssen noch vergehen, bis es tatsächlich eine Selbstverständlichkeit ist, dass Mann und Frau im selben Beruf dasselbe verdienen?

Bis es zur Selbstverständlichkeit wird, dass ein internationaler Konzern einen weiblichen CEO hat und es nicht mehr eine Schlagzeile wert ist, dass hier eine Frau das Ruder übernommen hat, sondern dieser Mensch an sich mit seinen Fähigkeiten und Talenten.

Selbsterfüllende Prophezeiung.

Frauen gestehen sich selbst ein niedrigeres Einstiegsgehalt zu als Männer. Hierzu gibt es augenöffnende Studien und Untersuchungen.

Frauen sind schneller mit dem ersten Gehaltsvorschlag einverstanden und geben sich mit weniger Gehalt zufrieden als Männer. Wir sprechen hier von einem Delta von ca. 12% bis 15%.

Laut einer Studierendenumfrage von Universum in 2016 wurden 45.000 Studierende (138 Studienbereiche; 215 Universitäten; von Okt. 2015 bis März 2016) nach ihrer Gehaltsvorstellung befragt.

Die Naturwissenschaften schlagen mit minus 15% Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen zu Buche, gefolgt von IT/Informatik (-13%) und Ingenieurwissenschaften (-12%).

Und so nimmt der einmal eingeschlagene Weg des niedrigeren Einstiegsgehalts seinen Lauf und bestimmt unser gesamtes Berufsleben:

Aus anfänglicher Zurückhaltung beim Gehalt wird später ein „Nicht-Nein-Sagen-Können“ bei immer mehr Arbeit („fleissiges Lieschen“) bis hin zu Verzicht auf die nächste Fortbildung oder Beförderung, weil „es mir ja gar nicht um den Posten geht“ und „ich ja nur meinen Job mache“. Von mir aus einen Termin vereinbaren, in dem es um die berufliche Weiterentwicklung geht und mehr Gehalt einfordern? Pustekuchen! „Meine Mehrarbeit oder mein Fleiß werden dem Chef schon auffallen.“

Bringschuld oder Holschuld? Es liegt an uns selbst!

Viele Frauen geben sich unsicher ob ihrer Leistungen und ihrem Wissen und Können.
Ihnen mangelt es oft an dem nötigen Selbstvertrauen in die eigenen Leistungen und somit fehlt ihnen der Biss, für sich einzustehen.

Oft werde ich gefragt, ob „dieser Gehaltspoker denn sein muss“, das „sei doch so unangenehm und man wolle nicht negativ auffallen“.

Lasst uns diese alten Denkmuster und
Glaubenssätze über Bord werfen! Fleißig sein, nicht auffallen, nicht zuviel verlangen, mögen nette Tugenden sein, doch „nett“ hilft wenig, wenn wir unserem Arbeitgeber zeigen möchten, dass uns unsere berufliche Weiterentwicklung wichtig ist.

Wir haben eine Holschuld.

Holen wir uns, was uns zusteht. Sortieren wir unsere Gedanken, dokumentieren wir unsere Leistungen, vereinbaren wir einen Termin und sagen wir, was wir brauchen: Manch Vorgesetzter reagiert offen und zeigt sich gesprächsbereit. Gute und zufriedene Mitarbeiter sind eine wertvolle Ressource, das sollte sich inzwischen herumgesprochen haben.

Bock auf Blumen oder Lust auf mehr?

Lasst uns anfangen, uns unserer Stärken bewusst zu werden.
Wir brauchen keine Blumen als „Dankeschön“ oder „Anerkennung“, keinen Gedenktag. Es sollte an 365 Tagen selbstverständlich sein, dass Frauen und Männer gleiche Chancen am Arbeitsmarkt haben, dass sie dasselbe verdienen (gleicher Job, gleiches Gehalt) und aufsteigen können, wenn sie denn wollen.

Eure Susan